's Heftpflaster

    s' Heftpflaster 02/26

    Gesundheit, Im Gespräch, Dermatologie

    Hautkrebs: Warum Prävention gerade in der Schweiz so wichtig ist

    Hautkrebs gehört zu den häufigsten Krebsarten – und betrifft die Schweiz besonders stark. Die Gründe dafür liegen nicht nur im individuellen Verhalten, sondern auch in den Lebensgewohnheiten und geografischen Bedingungen. Gleichzeitig gilt: Ein Teil der Erkrankungen lässt sich verhindern oder früh erkennen. Genau hier setzt die Präventionsarbeit an.

    Vertiefender Beitrag zum im Heftpflaster 02/26 erschienenen Interview mit Sandra Koitka, Geschäftsführerin der Krebsliga Schaffhausen.


    Im internationalen Vergleich gehört die Schweiz zu den Ländern mit einer hohen Hautkrebsrate. Das hat mehrere Ursachen. Einerseits verbringen viele Menschen ihre Freizeit draussen beim Sport, in den Bergen oder in den Ferien. Andererseits ist die UV-Strahlung gerade in höheren Lagen intensiver als im Flachland.

    Hinzu kommt ein zeitlicher Faktor. Das Wissen über Sonnenschutz ist noch gar nicht so alt. «Viele ältere Menschen sagen heute: Wenn wir das damals gewusst hätten», so Sandra Koitka, Geschäftsführerin der Krebsliga Schaffhausen. Entsprechend zeigen sich die Folgen früherer Gewohnheiten oft erst Jahrzehnte später.

    Sonne gehört dazu – aber mit Mass

    Dabei ist Sonnenlicht grundsätzlich nichts Negatives. Im Gegenteil: Es trägt zum Wohlbefinden bei und ist wichtig für den Körper. So spielt es bei der Bildung von Vitamin D, für einen stabilen Tag-Nacht-Rhythmus und für das allgemeine Wohlbefinden eine wesentliche Rolle. Viele Menschen spüren das direkt, wenn sie Zeit im Freien verbringen.

    Die Lösung liegt deshalb nicht im Verzicht, sondern im Umgang mit der Sonne. Drei einfache Grundregeln ziehen sich durch alle Empfehlungen: Schatten, Kleidung und Sonnencreme. Besonders in der Mittagszeit zwischen 11 und 15 Uhr lohnt es sich, direkte Sonne zu meiden. Kleidung schützt zuverlässig – oft besser, als viele denken. Und Sonnencreme ergänzt dort, wo die Haut unbedeckt bleibt.

    In der Praxis scheitert es allerdings häufig an der Umsetzung. UV-Strahlung wird unterschätzt, etwa bei bewölktem Himmel oder im Schnee. Gleichzeitig wird oft zu wenig Sonnencreme verwendet oder nicht nachgecremt. Wie gross die Diskrepanz ist, zeigt ein anschauliches Beispiel: Würde man den ganzen Körper korrekt eincremen, entspräche das etwa drei Espresso-Tassen Sonnencreme.

    Zwischen Schönheitsideal und Gesundheit

    Ein weiterer Faktor ist das Schönheitsideal. Gebräunte Haut wird oft als gesund und attraktiv wahrgenommen. «Das ist ein klassischer Zielkonflikt», sagt Koitka. «Man weiss, was gesund wäre, möchte aber trotzdem die Sonne geniessen.»

    So lässt man sich im Sommer oft zu einem längeren Sonnenbad in der Mittagssonne hinreissen. Die Folge zeigt sich meist schon am selben Abend: gerötete Haut, Spanungsgefühl oder sogar ein Sonnenbrand. Letzterer ist ein Zeichen dafür, dass die Haut bereits geschädigt wurde und erhöht langfristig das Risiko für Hautkrebs.

    Weisser und schwarzer Hautkrebs – ein wichtiger Unterschied

    Grundsätzlich wird zwischen zwei Hauptformen unterschieden: weisser und schwarzer Hautkrebs. Sonnenbrände gelten für beide Formen als Risikofaktor, da die übermässige UV-Strahlung die DNA der Hautzellen schädigt. Der sogenannte weisse Hautkrebs tritt häufiger auf und zeigt sich oft als raue Stellen, kleine Knoten oder Wunden, die nicht richtig abheilen. Er wächst meist langsam und ist in vielen Fällen gut behandelbar.

    Der schwarze Hautkrebs, auch malignes Melanom genannt, ist seltener, aber aggressiver. Er entsteht häufig aus Muttermalen oder neuen dunklen Hautveränderungen und kann früh Metastasen bilden. Gerade deshalb ist die frühzeitige Erkennung entscheidend.

    Früherkennung: Typische Anzeichen erkennen

    Unabhängig von der Form gilt: Hautveränderungen sollten ernst genommen werden. Wer bemerkt, dass sich ein Muttermal verändert, eine neue auffällige Stelle entsteht oder eine Wunde nicht abheilt, sollte dies ärztlich abklären lassen.

    Sandra Koitka betont, dass gerade unscheinbare Veränderungen oft unterschätzt werden: «Das kann auch eine Schürfwunde sein, die nicht abheilt.» Solche Stellen wirken auf den ersten Blick harmlos, können aber ein Hinweis auf weissen Hautkrebs sein.

    Beim schwarzen Hautkrebs liegt der Fokus stärker auf Pigmentveränderungen. «Ein Muttermal, das sich verändert – das sollte man unbedingt zeigen gehen», so Koitka. Gerade hier sei die frühe Diagnose entscheidend, bevor sich die Erkrankung weiter ausbreiten kann.

    Lieber einmal zu viel zum Arzt

    Trotzdem ist die Hemmschwelle bei vielen hoch. «Ich weiss, die Leute gehen nicht gerne wegen so einem Pipi-Fatz zum Dermatologen», sagt Koitka. Umso wichtiger sei es, diese Zurückhaltung abzubauen – notfalls auch über den Hausarzt als erste Anlaufstelle.

    Ihr Appell ist klar: «Lieber einmal zu viel vorbeigehen.» Denn früh erkannt, sind die Behandlungsmöglichkeiten in vielen Fällen sehr gut.

    Volksapotheke hilft

    Bei Fragen rund um Ihre Gesundheit sind die Mitarbeitenden der Volksapotheke Ihre erste Anlaufstelle – fachkundig, persönlich und diskret.

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