Wenn der Winter aufs Gemüt schlägt

Geschrieben von Valentin Dachs | 22.02.2026 23:15:00

Der Winter bringt kürzere Tage, weniger Bewegung und oft auch weniger Austausch. Gerade ältere Menschen erleben diese Zeit als belastend. Das kann sich auf die Stimmung auswirken. Wie kleine Routinen, soziale Impulse und gezielte Unterstützung helfen können, dem entgegenzuwirken.


Der Winter verändert den Alltag leise, aber spürbar. Termine werden seltener, Wege länger, der Radius kleiner. Was im Sommer selbstverständlich ist, fällt weg. Begegnungen nehmen ab, Bewegung wird weniger. Für viele ältere Menschen fühlt sich diese Zeit nicht dramatisch an, sondern schwer. Gleichförmig. Als würde der Alltag an Farbe verlieren.


Wenn der Austausch leiser wird

Es ist nicht nur die Kälte draussen, die belastet. Es ist das Wegfallen von Alltäglichem: der spontane Besuch, der kurze Schwatz unterwegs, der Gang zum Markt. Fehlen diese kleinen Kontakte, verändert sich der Alltag. Gespräche werden seltener, Bewegung nimmt ab. Einsamkeit entsteht dabei nicht zwingend aus Alleinsein, sondern aus fehlender Verbindung.

Häufig übersehen wird in diesem Zusammenhang das Hören. Wer Gespräche schlechter versteht, zieht sich schneller zurück. Treffen werden anstrengend, Telefonate vermieden. Nicht aus Desinteresse, sondern weil es Kraft kostet. Mit der Zeit wird der Rückzug zur Gewohnheit, der soziale Kreis kleiner, der Austausch leiser.


Aus dem Takt geraten

Hinzu kommt, dass sich im Winter oft mehrere Faktoren überlagern. Weniger Bewegung wirkt sich nicht nur auf den Körper aus, sondern auch auf den Schlaf und das allgemeine Energielevel. Wer sich tagsüber wenig bewegt, kommt abends schlechter zur Ruhe. Der Schlaf wird unruhiger, die Nächte kürzer. Gleichzeitig fehlt das Tageslicht, das normalerweise hilft, den natürlichen Rhythmus zu stabilisieren. Die Tage verlieren ihre klare Struktur, Wochentage beginnen sich anzugleichen.

Gerade für ältere Menschen, deren Alltag stark von Gewohnheiten geprägt ist, kann das verunsichernd wirken. Das Gefühl, gebraucht zu werden oder Teil eines Austauschs zu sein, nimmt ab. Oft entsteht daraus kein akutes Leiden, sondern eine leise Erschöpfung. Eine Müdigkeit, die nicht verschwindet, obwohl man sich ausruht. Diese Entwicklungen verlaufen schleichend – und genau deshalb werden sie häufig erst spät wahrgenommen.


Kleine Routinen, grosse Wirkung

Was helfen kann, sind selten grosse Veränderungen. Oft sind es kleine Fixpunkte im Alltag. Ein kurzer Spaziergang bei Tageslicht, auch an grauen Tagen. Feste Zeiten für Mahlzeiten. Ein regelmässiger Anruf. Solche Routinen geben Struktur und schaffen Nähe. Sie helfen, den Tag zu gliedern und dem Winter etwas entgegenzusetzen.

Auch die Apotheke kann im Winter eine wichtige Anlaufstelle sein. Sanfte Schlafhilfen unterstützen eine ruhigere Nacht. Eine Hörberatung kann helfen, Gespräche wieder entspannter zu führen und den Austausch zu erleichtern. Mentale Gesundheit zeigt sich selten im Grossen. Sie zeigt sich im Alltag. In kleinen Signalen, die ernst genommen werden wollen. Der Winter ist keine Krankheit. Aber er macht sichtbar, was sonst leicht übersehen wird. Und manchmal reicht es schon, genauer hinzuhören – bei sich selbst oder bei anderen.